Psychologische Praxis Hamburg-Mitte
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Traumatherapie

Trauma und Traumatherapie

 

Der Begriff „Trauma“ begegnet uns mittlerweile überall. Gerade die aktuelle Diskussion über Missbrauchsfälle in öffentlichen und kirchlichen Einrichtungen trägt dazu bei. Aber was ist ein Trauma genau? Und wie kann es sein, dass man etwas traumatisierendes jahrzehntelang nicht mehr erinnert? Wie erkenne ich Traumafolgen? 

 

In vermeintlich „primitiven“ Kulturen gab es schon früh Konzepte, die erstaunliche Parallelen zu den Erkenntnissen der modernen Traumaforschung aufweisen. Im Schamanismus gibt es den „Seelenverlust“, der durch Schreck, Gewalt, Misshandlung, Missachtung, Trennung oder Streit entstehen kann. Etwas, das eigentlich zu uns gehört, hat uns sozusagen verlassen. Der Teil, der bei der Seelenrückholung wiedergeholt werden kann, bleibt typischerweise so alt, wie die Person zu dem Zeitpunkt des Seelenverlustes war. Einen solchen Seelenanteil wieder zu integrieren braucht Hilfe von außen (traditionell den Schamanen), einen geschützten Raum und manchmal die Zusicherung von bestimmten Bedingungen, damit der Seelenteil auch dauerhaft bleibt. Hier sind schon typische Punkte angesprochen, die auch in der heutigen Traumatherapie eine Rolle spielen. 

 

Im Deutschland der Neuzeit ist das Konzept „Trauma“ relativ neu. Erst in den letzten Jahrzehnten beschäftigen sich zunehmend Fachleute aus Psychologie, Neurologie und alternativer Medizin mit diesem Thema. 

 

Ein Trauma zeichnet sich vereinfacht gesagt dadurch aus, dass wir einer einmaligen oder fortdauernden Erfahrung ausgesetzt sind, die uns so überwältigt, dass wir nicht mehr zu einer Verarbeitung der Reize in der Lage sind und/oder die uns sozusagen in echte oder gefühlte Todesnähe bringt. Im besten Fall kann die Flucht oder Starre-Reaktion, die aufgrund des übermachtigen Stress-Reizes dann einsetzt, hinterher wieder auf gute Weise aufgelöst werden. Öfters gelingt das aber nicht. Unsere seelische oder körperliche Integrität ist gefährdet. Dafür bietet uns unser Organismus eine Art „Notfall-Maßnahme“ an, nämlich die traumatische Abspaltung des Erlebten. Und dies hat durchaus Parallelen zum „Seelenverlust“. Leider wirkt das traumatische Geschehen trotz der Abspaltung in uns weiter und kann vielfältige Auswirkungen haben auf unsere geistige und körperliche Gesundheit. 

 

Welche Erfahrungen traumatisch auf uns wirken und Spätfolgen hinterlassen, hängt zum einen von der Qualität des Ereignisses ab. Es spielt aber auch eine wichtige Rolle, aus welche Ausgangslage heraus uns ein potentiell traumatisierendes Ereignis trifft. Je jünger wir sind, je mehr wir oder auch allgemein unser Familiensystem schon vorbelastet ist, je mehr das Geschehen mit eigentlichen „Vertrauenspersonen“ zu tun hat und je öfters es geschieht, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer traumatischen Schädigung. Was für den einen ein Trauma darstellt, ist es für den Anderen nicht automatisch auch. Dazu kommt, dass es für die Betroffenen oft gar nicht klar ist, dass sie eine traumatische Erfahrung gemacht haben oder dass sie das Geschehene sogar völlig vergessen bzw. verdrängen oder abspalten. 

 

Was passiert nun bei einer Abspaltung? Wie kann man etwas Traumatisierendes für lange Zeit völlig „vergessen“? Wir Menschen leben ja in der Illusion, unser Gehirn würde alles Wichtige aufbewahren und uns zuverlässig einen Film der äußeren Realität abliefern. Das stimmt überhaupt nicht! Der Teil unserer Erinnerungen, den wir bewusst abrufen können, ist immer nur ein ganz kleiner Ausschnitt des Erlebten. Es können also sehr wohl Erinnerungen, auch traumatische, in unbewusste Bereiche unseres Gehirns abgespeichert sein, ohne bewusst zugänglich zu sein. Dennoch haben sie Auswirkungen, denn alle unsere Entscheidungen, unsere Emotionen und unsere Körperfunktionen werden vor allem von diesen unbewussten Bereichen aus gesteuert. Dazu kommt noch, dass bei traumatischen Abspaltungen modellhaft gesehen innere Wächter aufgebaut werden, die verhindern sollen, das unbewusste Traumata uns wieder bewusst werden. Das führt zu inneren und äußeren Vermeidungsstrategien, zu „eigenartigen“ Reaktionen auf Ereignisse, die uns daran erinnern könnten und zu chronischen Stressreaktionen unseres Körpers. Oft geschieht auch eine Abspaltung, die unser Körperempfinden einschränkt. Wir sind nicht ganz da, manche steigen sogar richtiggehend aus dem Körper aus, manche erleben dies als „mangelnde Erdung“, zu sehr im Kopf sein usw. 

 

Manchmal führen äußere Faktoren noch nach Jahrzehnten dazu, dass Verdrängstes, Abgespaltenes wieder ins Bewusstsein tritt. 

 

Was sind häufige Trauma-Themen? 

 

Ein Trauma kann durch den Verlust, von einer wichtigen Bezugsperson ausgelöst werden. Nicht selten ist die Folge davon das Vermeiden von Nähe innerhalb von Beziehungen, da man große Angst empfindet, auch diese Person wieder zu verlieren. Als in den siebziger und achtziger Jahren Kleinkinder in den Krankenhäusern nicht von ihren Eltern besucht werden durften, kam es bei vielen Kleinkindern und Säuglingen zu solchen Verlassenheitstraumata: Die Kinder erkannten zum Teil ihre Eltern nicht wieder, ließen sich nicht mehr so tief auf Beziehungen ein oder klammerten verstärkt. Im Erwachsenenalter kann es dann zu unverhältnismäßig starken emotionalen Reaktionen kommen, wenn eine wichtige Bezugsperson weggeht. 

 

Körperliche, seelische oder sexualisierte Gewalt führt fast immer zu einem Trauma: Krieg, Tötungsversuch, Folter, Vergewaltigung, sexuelle und/oder körperliche Misshandlung, Mobbing; (bedingt auch emotionale Vernachlässigung, Verwahrlosung, soziale Ausgrenzung). Gewalttätige Traumata in Kindheit und Jugend führen oft zu tiefgreifenden Störungen in der Persönlichkeit der Opfer, die über die Symptomatik allgemeiner posttraumatischer

Erkrankungen hinausgehen. 

 

Was können Symptome eines Traumas sein? 

 

• stark kontrollierendes „kopfbetontes“ Verhalten, da Trauma als ein extremer Kontrollverlust erlebt wird, 

 

• unverhältnismäßig heftige Reaktionen auf äußere oder innere Einflüsse (durch sog. Trigger ausgelöst): Panikattacken, Angsterkrankungen, Zwangserkrankungen, Selbstverletzendes Verhalten, Süchte und Abhängigkeiten, wiederkehrende Albträume und dissoziative Zustände (nicht verbunden sein mit sich und dem eigenen Körper). Dazu spezifische Probleme wie sexuelle Störungen nach Mißbrauch. 

 

• körperliche Erkrankungen wie Bluthochdruck, chron. Schmerzen, Diabetes, Fettsucht, Schilddrüsenerkrankungen, hormonelle Störungen aller Art, Schlafstörungen, Migräne und vieles mehr 

 

Ist das wirklich mir passiert? 

 

In der Bindungsforschung zeigte sich, dass ein Zusammenhang zwischen Traumatisierung der Eltern und einer Bindungsunsicherheit von Säuglingen und Kleinkindern besteht. In der Aufstellungsarbeit kennen wir dieses Phänomen als „Weitergabe“ von Traumatisierungen von den Eltern zu den Kindern, teils über Generationen hinweg (ausführlich beschrieben von Prof. Franz Ruppert in seinen Büchern zur Systemischen Traumatherapie). Dies geht soweit, dass Kinder oder Enkel von sexuell mißbrauchten Frauen selber Mißbrauchssymptome aufweisen, ohne selber mißbraucht worden zu sein! Hier ist viel Sensibilität gefragt, um nicht fälschlich einen vermeintlich vergessenen Mißbrauch in der eigenen Kindheit anzunehmen. 

Wie kann Traumatherapie aussehen? 

 

Viele Therapieformen können zur Trauma-Lösung eingesetzt werden, wenn bestimmte Richtlinien beachtet werden. Merkmale sind vor allem, dass Retraumatisierungen vermieden werden, in dem genügend Zeit und ein geschützer Raum für Erfahrungen geboten werden. Das Ansprechen von Körper- und Energieebene ist hilfreich, da das Trauma auch auf dieser Ebene abgespeichert ist und der Sprache wenig zugänglich. Die eigenen Ressourcen zu stärken gehört dazu. 

 

Psychodynamische Psychotherapien arbeitet zunächst an der Stabilisierung der Persönlichkeit des Patienten. Hier werden Strategien zum Umgang mit traumatischen Erinnerungen erlernt und die Suche nach der Identität unterstützt. Somatic Experiencing baut durch auf Gesprächsebene achtsam begleitete Körpererfahrung traumatische Stressreaktionen auf physiologischer Ebene ab und kommt so ohne die belastende Traumageschichte aus. Auch körperorientierte Therapieformen werden erfolgreich eingesetzt. Kunsttherapie kann dazu beitragen, die inneren Bilder zum Ausdruck zu bringen und dadurch zu verarbeiten. 

 

Gelegentlich kann auch die medikamentöse Therapie, zum Beispiel mit Antidepressiva, stabilisierend zur Traumatherapie beitragen. 

 

In der Behandlung von Beziehungstraumata ist Ressourcenarbeit ein zentraler Baustein, beispielsweise mittels Imagination (Luise Reddemann): Es geht vor allem um die Vernetzung jener Wirkmechanismen, die den Traumatisierten möglichst rasch die Kontrolle über sich zurückgewinnen lassen. Vergleichsweise archaisch wirkende Techniken wie die schamanische „Seelenrückholung“ kann ebenfalls sehr wirksam sein, um abgespaltene Persönlickeitsanteile wieder zu integrieren. 

 

Zu den vergleichsweise „neuen“ Therapien, gehören z. B. EMDR (auch WingWave), bei der über gesteuerte Augenbewegung eine neue Hirn-Integration erreicht wird. Ähnlich gehen auch die verschiedenen Klopf-Techniken vor (z.B. EFT oder TFT), die über das Klopfen von bestimmten Punkten am Körper traumatische Erinnerungsspuren sanft lösen können. In der Kinesiologie gibt es bestimmte Richtungen, die sich mit solchen Trauma-Lösungsstrategien beschäftigen (Health Kinesiology, Tools of the Trade, Psychokinesiologie n. Klinghardt u. A.). Geistiges Heilen und PranaHealing weist ebenfalls Erfolge auf diesem Gebiet auf, ebenso wie die Klassische Homöopathie, auch ohne dass die Traumainhalte gezielt im Gespräch bearbeitet werden müssen. 

 

Die Systemische Aufstellungsarbeit kann ebenfalls eingesetzt werden. Bindungstraumata können gelöst, Persönlichkeitsanteile wieder integriert und Ressourcen in den Blick gebracht werden. Wichtig ist aber auch hier die entsprechende Qualifizierung des Therapeuten/Aufstellers.

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Dipl.-Psych. Dieter Eisfeld

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